Fidschi Tauchen

Feldarbeit mit Haien auf Fidschi

Im Rahmen meiner Masterarbeit an der Universität Bremen, lebe ich momentan auf den Fidschi Inseln, um hier meine Feldarbeit durchzuführen. Als Teil eines größeren Projektes der Universität des Südpazifik (USP), dass als Ziel hat, einen nationalen Management Plan für den bedrohten Bogenstirn-Hammerhai zu entwickeln,beschäftigt sich mein Projekt mit der Erforschung eines Flussmündungsgebietes im Norden von Fidschi’s Hauptinsel Viti Levu.

Hammerhaie sind neben vielen anderen Haiarten fast überall in den pazifischen Gewässern rund um die 333 fidjianischen Inseln anzutreffen und dennoch weiß man in diesen Teil der Welt noch recht wenig über die Gebiete, die zur Fortpflanzung und zur Aufzucht von Jungtieren genutzt werden.

Unter anderem möchte ich während meiner sechs Monate hier erste Hinweise darauf sammeln, dass die flachen Gewässer rund um die Mündung des Ba Flusses als potentielle „Kinderstube“ für (Hammer-)Haie dienen.

Mangroven als Rückzugsort für neugeborene Haie

Hammerhaie nutzen, wie viele andere Haie auch, küstennahe Mangrovengebiete um ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen. Trächtige Weibchen kehren ähnlich wie Schildkröten auf Lebenszeit immer wieder in dieselben Küstengewässer zurück, was es umso wichtiger macht, diese Gebiete zu identifizieren und – wenn möglich – nachhaltig zu schützen.

Hier, in diesen „Hai-Kinderstuben“ finden die neugeborenen Haie Schutz vor größeren Fressfeinden und gleichzeitig bieten die flachen und trüben Gewässer von Flussmündungen genügend Nahrung, um schnell an Größe zuzulegen.

Die einfachste Methode um herauszufinden, welche Haie und wie viele von ihnen in einem bestimmten Gebiet leben, ist nach ihnen zu fischen. Ich benutze ein 100m langes und 3m weites Kiemennetz, dass wir an verschiedenen Punkten weiträumig in der Flussmündung und den Lagunen einsetzen und in 20 Minuten Intervallen kontrollieren.

Zusätzlich dazu habe ich eine 75m Langleine konstruiert, die mit knapp 30 beköderten Haken bestückt ist. Von allen gefangenen Haien werden verschiedene Daten dokumentiert: Körperlänge, Geschlecht und Zustand der Nabelschnurnarbe (Indikator für das Alter) werden vermerkt, bevor die Jungtiere jeweils mit einem individuellen Tag in das Muskelgewebe unterhalb der Rückenflossen versehen werden.

Nach zwei bis drei Minuten werden sie wieder in die Gewässer des Pazifik entlassen und können ihr Leben fortführen, um hoffentlich zu großen Haien heranzuwachsen.

Leben in Fischerdörfern – eine spannende und neue Erfahrung

Nachdem ich die ersten Wochen in Fidschi’s Hauptstadt Suva verbracht habe, um dort die notwendige Methodik zu erlernen und alle organisatorischen Angelegenheiten zu erledigen (die Zusammenstellung des benötigten Equipments, die offizielle Research Erlaubnis, die logistische Organisation des Projekts), bin ich nun mitten in der Datenerhebungs-Phase.

Die Tage unter der Woche lebe ich mit einer Familie in dem Fischerdorf, während ich die Wochenende meist bei meiner Freundin in der knapp sechs Stunden entfernten Hauptstadt verbringe.

Mit meinen erfahren Kapitän David und meinen beiden Helfern Sione und Jim fahren wir mehrere Nächte pro Woche bei Sonnenuntergang aufs Meer und fischen an verschiedenen Punkten für jeweils ca. sechs Stunden. Mit den Ergebnissen hoffen wir eine Idee der hier vorkommenden Arten zu bekommen und in welchen Gegenden sich diese rund um die Flussmündung bevorzugt aufhalten. Zusätzlich zu diesen Daten, dokumentiere ich verschiedene andere Parameter, wie den Salzgehalt, die Tiefe, den pH- Wert und die Temperatur des Wassers.

Erste Ergebnisse: hauptsächlich neugeborene Schwarzspitzen Haie

Mittlerweile haben wir über 100 Haie gefangen: knapp 70% Schwarzspitzen Haie (wahrscheinlich C. limbatus), 20% Bogenstirn-Hammerhaie (Sphryna lewini) und ca. zehn Große Hammerhaie (Sphyrna mokarran).

Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob sich dieser Trend fortsetzt oder nicht.

Es wird vermutet, dass die Geburtszeit der Haie hier gegen November/Dezember beginnt und bis in den Februar/März reicht. Dass fast alle von mir gefangenen (und wieder freigelassenen) Haie eine offene Nabelschnurnarbe besitzen und damit noch sehr jung sind, scheint diese Vermutung zu bestätigen. Interessant wird auch, ob und wie viele ich von den bereits getaggten Haien wieder fangen werden. Getaggte Tiere können wertvolle Informationen liefern und bei einer gewissen Anzahl lassen sie Rückschlüsse auf die Größe der Population zu und deren Bewegungen innerhalb des Flussmündungsgebietes.

Die nächsten Wochen versprechend spannend zu werden!

Tauchen mit den Großen – Fidschi’s Bullenhaie

Während meiner freien Tage hier auf Fidschi, nutze ich so oft wie möglich die Gelegenheit, mit meiner Kamera ins Wasser zu springen und tauchen zu gehen. Momentan fotografiere ich mit einer Nikon D7100, einem Tokina 11-16mm f/2.8 Weitwinkel und dem Sechura Gehäuse von BS Kinetics. Um die Haie auch in 30m Tiefe im richtigen Licht zu erwischen habe ich zusätzlich zwei Inon Z240 Blitze im Einsatz. Mittlerweile habe ich schon uber zwei Dutzend Tauchgänge mit dem Gehäuse unternommen und mich gut an das Handling gewöhnt.

Ich fotografiere im M-Modus, setzte meine Blende auf f/8 und mein Auslösegeschwindigkeit auf 1/200 Sekunde und benutzte die Blitze zumeist im manuellen Modus. Unterwasser habe ich dann noch immer alle Möglichkeiten meine Einstellungen je nach Sicht und Entfernung der Haie zu verändern.

Das ist nicht immer ganz leicht – besonders wenn 40 oder 50 Haie um einen herumschwimmen.

Die Hai-Tauchgänge hier vor Ort sind weltberühmt – bis zu acht verschiedene Spezies können hier bei einem einzigen Tauchgang beobachtet werden! Hauptsächlich stattliche Bullen Haie mit bis zu 3,5m Länge werden von erfahrenen „Fütterern“ mit Thunfischköpfen angelockt und per Hand gefüttert. Das ermöglicht hautnahe und garantierte Interaktionen mit diesen grazilen Raubfischen und erzeugt viele neue Hai- Fans von überall auf der Welt.

Hai-Fütterungstauchgänge sind nicht unumstritten, denn noch weiß man nicht viel über potentiellen negativen Folgen auf die Haie selbst. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass durch langjährige Fütterung Änderungen in der Populationsstruktur hervorgerufen werden können.

Hier in Fidschi zum Beispiel hat sich die Anzahl von den dominanten Bullenhaien in dem Tauchgebiet, in dem sie gefüttert werden (Shark Reef Marine Reserve), in sieben Jahren versiebenfacht, während die Anzahl von kleinen Haien deutlich zurückgegangen ist.

Auf der anderen Seite ist es dem Tauchoperator gelungen, in einem langen und über Jahre dauernden Prozess diesen Tauchplatz und umliegende Gebiete zu Fidschis ersten Marinen National Park erklären zu lassen.

Gegen eine Gebühr die jeder Taucher bezahlt und die den umliegenden Dörfern zu Gute kommt, verzichten diese im Gegensatz darauf, hier zu fischen.

So entstand ein geschützter Rückzugsraum für die Haie und alle anderen Tiere und gleichzeitig entstehen hier fast täglich neue Hai-Fans, die den Schutz dieser Tiere in ihren Heimatländern wissentlich und unwissentlich vorantreiben werden.

In Zeiten von massiver Überfischung, Lebensraumzerstörung und Meeresvermüllung sind die negativen Aspekte von Haifütterungstauchgängen meiner Meinung zu vernachlässigen (wenn hohe Standards eingehalten werden), da die positiven Resultate hier deutlich überwiegen (Haie bekommen einen ökonomischen Wert außerhalb der Fischerei, Arbeitsplätze werden geschaffen, Hai-Aufklärung und –Schutz werden aktiv vorangetrieben). Im Endeffekt muss das jeder für sich selbst entscheiden, ob er solche Tauchgänge unterstützen möchte oder eben nicht. Fakt ist: Haie brauchen unseren Schutz!

Geschätzte 100 Millionen Tiere werden jedes Jahr getötet, ein großer Teil von ihnen für den Haiflossen-Markt in Asien.

Sind sie für viele Taucher das Highlight des Tauchlebens, werden sie in den Medien oft als kopflose Tötungsmaschinen dargestellt. Dabei sterben jährlich „nur“ ca. 10 Menschen an Hai-Attacken, eine Zahl die verschwinden gering ist, wenn man bedenkt, dass täglich tausende von Interaktionen auf der ganzen Welt stattfinden. Krokodile, Flusspferde, fallende Kokosnüsse, Getränke Maschinen – statistisch sterben jedes Jahr mehr Menschen an all diesen Tieren oder Dingen als an Haiattacken!

Indem man auf Haiprodukte jeglicher Art verzichtet, kann jeder, der möchte, einen Beitrag leisten. Es gibt viele Organisationen, die sich für Haie einsetzen und jeden Cent gut gebrauchen können. Ich hoffe, für die kommenden Generationen, dass noch viele Haie in unseren Ozeanen schwimmen werden und das mein Projekt hier vor Ort ein wenig zum Verständnis dieser Top-Predatoren beiträgt.

Haie haben einen immens wichtigen Platz im Ökosystem Meer und wenn wir zu viele von ihnen töten, vernichten wir letztendlich auch unsere eigene Lebensgrundlage und die Grundvoraussetzung alles Lebens auf unseren Planeten: das Meer. Wir Menschen sollten keine Angst vor Haien haben, sondern vielmehr vor einem Ozean ohne Haie.

Tom Vierus ist ein junger Hai-Wissenschaftler und Naturfotograf, der momentan auf den Fidschi-Inseln lebt und dort eine potentielle Kinderstube für juvenile Haie untersucht. Wer mehr über Tom’s Arbeit erfahren möchte kann auf seine Blog livingdreams.tv vorbeischauen, oder ihn auf facebook, Twitter und Instagram finden.